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beiträge
 
Name: Christian Sachs
Beruf: Rechtsanwalt 37 Jahre,
verheiratet, 1 Kind (2 Jahre - kein Helm.)
 
Ich hatte mir vor ca. 10 Jahren einen Radhelm gekauft, weil bei einem Mountainbike-Rennen Helmpflicht bestand. Zu dieser Zeit habe ich auch mit dem Rennrad viel in der Gruppe trainiert und trug den Helm dann auch hierzu.
    Wegen Paßform- und Belüftungsproblemen wurde der Helm dann nach ca. 3 Jahren durch einen anderen ersetzt, der nach weiteren 3 Jahren durch den Geländeeinsatz - vor allem im Winter - enorm verdreckt war. Für das Rennrad bekam ich deshalb einen neuen aerodynamischen und noch besser belüfteten Helm geschenkt.
    Beim alltäglichen Fahren habe ich den Helm nicht aufgesetzt; also zum Arbeitsplatz, Einkaufen usw. oben ohne. Für mich war der Helm immer Ausdruck einer Art Opfermentalität, ein Statement in Richtung: "ihr wollt mich alle umbringen". Da ich mich als Radfahrer eigentlich nie bedroht gefühlt hatte wollte ich eine solche Aussage vermeiden.
    Anfang 1998 hatte ich auf dem Weg zur Arbeit an unübersichtlicher Stelle auf einem schmalen Zweirichtungsradweg eine Kollision mit einem entgegenkommenden Radler, der eine Kurve schnitt. Ich kam fast rechtzeitig zum Stehen, die Kollision bei niedriger Geschwindigkeit ließ uns aber mit den Köpfen zusammenstoßen. Ich trug keine sichtbaren Verletzungen davon, mein Kopf brummte aber noch den ganzen Tag.
    Als Konsequenz aus diesem Unfall setzte ich den Helm dann eine Weile auch im Alltagsbetrieb auf. Die diversen Diskussionen in drf brachten mich dazu, meine Motive für das tragen eines Helmes einmal zu überdenken. Überzeugt haben mich dann die Überlegung, daß Rad fahren eine sehr sichere Art ist, seine Zeit zu verbringen, daß man mit einer Akzeptanz des Helmes einer Helmpflicht, qua Gesetz oder qua Haftungsverweigerung einer Versicherung, Vorschub leistet.
    Hinzu kommt, daß mir auffiel, daß das Tragen eines Helmes die falsche Konsequenz aus meinem Unfall war: zwar befand ich mich bei dem Unfall wahrscheinlich noch im Bereich der Wirksamkeit des Helmes, gegen einen ähnlichen Unfall, bei dem ich gegen einen auch an dieser Stelle stehenden Betonpfeiler gedonnert wäre, hätte der aber kaum geholfen. Die richtige Konsequenz wäre also gewesen, an dieser Stelle mit höchster Vorsicht zu fahren oder den Radweg nicht zu benutzen.
    Meine Wahl, den Helm zu verwenden, bedeutet also in Wirklichkeit, sich dem Risiko mit fragwürdigem Schutz weiter auszusetzen anstatt es zu vermeiden.
    Die Idee der Risikokompensation ist mir recht vertraut, da ich beim Motorrad fahren mit Integralhelm immer wieder mal ein - offensichtlich trügerisches - Gefühl vollkommener Sicherheit hatte, das nach meiner Einschätzung auf die Abgeschlossenheit gegenüber einigen Ausseneinflüssen durch diese Art Helm zurückzuführen ist. Mit dem Jethelm hatte ich dieses Gefühl nämlich nie.
    Ich trage den Helm allerdings noch bei langen Touren im Sommer die ich wegen der glatzenbedingten Sonnenstichgefahr früher mit Mütze absolvierte. Die ewig schweißnasse Mütze war ein stetiges Ärgernis und warm wurde mir darunter auch. Der Helm hat hier eindeutige Vorteile. Ich weiß, daß das inkonsequent ist, suche aber noch nach einer gleichwertigen Alternative.
 
mfg
Christian

 
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