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Fahrrad gefahren bin ich eigentlich schon immer.
Nun, in meinen ersten Lebensjahren noch nicht, aber irgendwann habe ich es dann gelernt und bin auch viel mit dem Fahrrad umher gefahren. Zuerst in unserer Straße, dann immer weiter. Auch der Schulweg zum Gymnasium wurde in der Regel mit dem Rad zurückgelegt (im Winter oft auch mit dem Bus). Als dann mit 18 der Führerschein kam, bin ich auch öfters mit dem Auto gefahren, das Rad war aber immer Verkehrsmittel und auch Freizeitvergnügen für mich, allerdings zwischenzeitlich stärker eingeschränkt. Im Studium habe ich dann sehr bald festgestellt, daß man in einer Stadt wie Paderborn mit dem Auto nicht allzuviel anfängt außer Parkplätze zu suchen, sondern besser mit dem Rad unterwegs ist. Das Rad ist somit mein Alltagsverkehrsmittel, das immer noch vorhandene Auto wird für längere Strecken und gelegentliche größere Transporte genutzt.
    Gestürzt bin ich eigentlich schon immer. Nun, dies wird wahrscheinlich jeder Radfahrer ebenso von sich sagen können bzw. müssen. Stürze gehören irgendwie zum "täglichen Brot". Häufiger und teilweise spektakulär waren sicherlich einige Stürze als Kind bzw. Jugendlicher. Mit der Zeit wurden die Stürze immer seltener, selbst den letzten Winter habe ich mit nur einem Beinahe-Sturz überstanden. Aber irgendwann erwischt es einen doch auf einmal wieder.
 
Warum ich mir einen Helm gekauft habe.
In diversen Medien hörte ich immer wieder Berichte über Fahrradhelme. Diese Helme schienen ja wirklich einen umfassenden Schutz zu bieten. 85% der Verletzungen sollten sie verhindern können, hieß es in einigen Meldungen.
    Vor dem Hintergrund, daß ich ja schon durchaus verschiedene Stürze hinter mir hatte und seinerzeit (Mitte 94) meine Fahrradaktivitäten auch in der Freizeit wieder zunahmen, schien mir ein Fahrradhelm eine gute Idee zu sein. Schutz kann ja nie schaden, dachte ich mir.
    Ich hatte mich mit meinem Helm auch gut arrangiert. Das Wärmeproblem empfand ich nicht so schlimm, wie vorher befürchtet, auch mit dem Verstauen hatte ich keine besonderen Probleme. Im Sommer wurde der Helm einfach am Rad angeschlossen, im Winter an der Uni in ein Schließfach gelegt. Ich war eigentlich zufrieden mit meinem Helm und gefiel mir durchaus in der Rolle des guten Vorbildes. Beim sporadischen Lesen von de.rec.fahrrad stolperte ich zwar schon mal über den einen oder anderen Zweifel an der Wirksamkeit von Fahrradhelmen, aber diese Meinungen habe ich als unbedeutende Einzelmeinungen abgetan. Publikationen beispielsweise vom Bundesverkehrsministerium oder von Krankenkassen förderten ja den Helm, die werden schon wissen, was richtig ist.
 
Warum ich keinen Helm mehr trage.
Etwas nachdenklich bin ich bei den kritischen Stimmen schon geworden. Vor allem, da sie immer mal wieder mit Verweisen auf Fehler in Untersuchungen oder Verweisen auf andere Untersuchungen begründet wurden.
    Zuerst fiel mir die Kritik an der Thompson/Rivara/Thompson Studie auf. Mit der gleichen Methodik ließ sich nicht nur zeigen, daß Helme 85% der Kopfverletzungen verhindern, sondern auch die meisten Verletzungen an allen anderen Körperteilen. Da der Helm aber nur auf dem Kopf sitzt, konnte da irgendwas nicht stimmen.
    Sehr aufschlußreich fand ich auch die Ergebnisse aus Australien bzw. Neuseeland. Starker Anstieg der Helmtragequote (z.T. in Folge einer Helmpflicht), aber kein Rückgang im Verhältnis Kopfverletzungen/sonstige Verletzungen. Im Mittel also kein Schutz durch den Helm, was entweder bedeutet, daß Helme völlig egal sind, oder daß jedem Fall, in dem ein Helm geschützt hat, auch ein Fall entgegensteht, in dem er geschadet hat.
    Bis ich meinen Helm aber gar nicht mehr trug bedurfte es noch folgender Überlegungen:
Radfahren ist nicht gefährlicher als andere Tätigkeiten, bei denen auch keiner auf die Idee kommt einen Helm aufzusetzen. Wenn ich meinen Helm schon beim Fahrradfahren aufsetze, müßte ich ihn konsequenterweise auch im Auto, beim Zufußgehen, beim Treppensteigen und bei vielen anderen Tätigkeiten aufsetzen.
    Durch vermehrtes Helmtragen wird der Eindruck erweckt Radfahren sei gefährlich und eine Helmpflicht wird immer wahrscheinlicher, je mehr Leute einen Helm tragen. Und sei es nur eine indirekte Helmpflicht, da sich Versicherungen bei Radfahrern ohne Helm weigern, vollen Schadensersatz zu zahlen (erste Versuche dieser Art gab es bereits, allerdings zum Glück erfolglos).
    Beides, eine Helmpflicht aber auch schon der Eindruck des gefährlichen Radfahrens, verdrängt potentielle Radfahrer auf gefährlichere Verkehrsmittel, vor allem das Auto. Ein Prozeß, den ich auf keinen Fall aktiv unterstützen möchte. Sehr passend finde ich in diesem Zusammenhang auch den Spruch: "Man kann keine Helmpflicht einführen.
Man kann lediglich Radfahren ohne Helm verbieten."

 
Sven Bauer
Sven.Bauer@gmx.de

 
Autorenbeiträge:
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